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INSTITUTIONEN UND PROZESSE IN DER VERGLEICHENDEN DIKTATUR- UND EXTREMISMUSFORSCHUNG

Eine weitere Veranstaltung der Gruppe fand im Rahmen einer Veranstaltung der Sektion „Vergleichende Politikwissenschaft“ der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft vom 22. bis 24. Januar 2009 in Darmstadt statt zum Thema

INSTITUTIONEN UND PROZESSE IN DER VERGLEICHENDEN DIKTATUR- UND EXTREMISMUSFORSCHUNG

Rolf Frankenberger (Universität Tübingen) benannte in seinem Vortrag analytische Probleme der Vergleichende Regimeforschung. Mit dem von Talcott Parsons entwickelten AGIL-Schema, so Frankenberger, stehe ein vergleichsweise umfassendes Instrumentarium zur Analyse politischer Systeme und deren Umweltbeziehungen zur Verfügung, das sich aufgrund des konzeptionellen Ordnungsrahmens und seiner großen Anschlussfähigkeit sehr gut eigne, die bisherigen Ansätze der Autoritarismusforschung neu zu überdenken, zu sortieren und zu re-integrieren und nicht zuletzt eine originäre Definition von autoritären Systemen ermögliche.

In Anlehnung an ältere Arbeiten von Martin Drath stellte Johannes Gerschewski (Wissenschaftszentrum Berlin) einen integrativen, ideologieorientierten Analyserahmen vor, in dem die Durchsetzung der Exklusivität einer# alle Lebensbereiche umfassenden Ideologie das Primärphänomen darstellt. Durch Erosionsprozesse in den Sekundärphänomenen nehme, so der Referent, die ideologische Prägekraft ab, was zur erhöhten Notwendigkeit einer ökonomischen, politischen und/oder sozialen Performanzlegitimation in totalitärideologisch unterfütterten Regimen führe. Abschließend illustrierte Gerschewski den integrativen Analyserahmen an der Entwicklung Nordkoreas, dessen innere Dynamik durch statischere Modelle verdeckt werde.

Uwe Backes (HAIT Dresden) untersuchte die Geschichtspolitik verschiedener Typen von Autokratien. Er arbeitete heraus, dass Geschichtspolitik in allen autokratischen Regimen einen zentralen Bestandteil der Herrschaftslegitimation darstellt und der Identitätsbildung diene, jedoch in den verschiedenen Autokratietypen unterschiedliche Funktionen erfüllt. Wie das Beispiel Turkmenistan zeige, könne die Geschichtspolitik in despotischen Regimen in eine pseudo-traditionale Legitimationsfassade eingebettet sein. Regime mit weithin intakter traditionaler Legitimationsbasis beriefen sich dagegen häufig auf einen seit langer Zeit gefestigten Gründungsmythos. Im Fall Saudi-Arabiens sei dies etwa das legendäre Bündnis zwischen Stammesführer und religiösem Reformer. In der autoritären Autokratie Weißrusslands rekurriere Lukaschenko selektiv auf das gemeinsame, in der Bevölkerung überwiegend positiv konnotierte sowjetische Erbe. In Ideokratien stehe wiederum die Geschichtspolitik wie bei Lenin und Stalin in einem engen Zusammenhang mit den chiliastischen Projekten.

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In den nächsten beiden Jahren möchte die Themengruppe u.a. Veranstaltungen zur Vergleichenden Diktaturforschung, zur Einstellungsforschung, zum Extremismus in postkommunistischen Gesellschaften, zum Islamismus durchführen. Bitte senden Sie Vortragsvorschläge und Informationswünsche über die Gruppenarbeit an die beiden Sprecher.

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