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ÖKOLOGIE, NATURBEGRIFF UND TECHNIK IN EXTREMISTISCHEN GRUPPIERUNGEN UND DIKTATUREN

Eine weitere Veranstaltung der Gruppe fand im Rahmen des DVPW-Kongresses in Kiel am 25. September 2009 statt zum Thema

ÖKOLOGIE, NATURBEGRIFF UND TECHNIK IN EXTREMISTISCHEN GRUPPIERUNGEN UND DIKTATUREN

Lazaros Miliopoulos (Universität Mainz) versuchte in seinem Vortrag über den „Begriff der ‚natürlichen Ordnung“ in totalitären und autoritären Denkmustern‘ unter Rückgriff auf den Begriff der „natürlichen Ordnung“ in der philosophischen Geschichtsschreibung Jacob L. Talmons und den Begriff der „Mentalität“ in der Herrschaftstypologie von Juan Linz die Bedeutungen „natürlicher Ordnung“ in autoritären Rechtfertigungsversuchen von ihren Bedeutungen in totalitären Denkmustern idealtypisch abzugrenzen. Dabei verwies er auf zwei unterschiedliche ideengeschichtliche Stränge seit der französischen Aufklärung: Einerseits dem Glauben an eine mechanistische „ordre naturel“ und Machbarkeitsideologie als Angelpunkt einer totalitären Denkungsart nach der Interpretation von Talmon, andererseits aber auf eine Reihe politscher Ordnungsvorstellungen im Rahmen organologischer Naturverständnisse, wie sie im politischen Konservativismus und in der „politischen ökologie“ vorzufinden sind. Auf dieser ideengeschichtlichen Grundlage wurde am Ende die Frage gestellt, ob die Entgegensetzungen demokratischer und autoritärer Systeme in der klassischen Typologie von Juan Linz und anderen Vertretern der Vergleichenden Diktaturforschung nicht allzu starr erfolgen oder der Forschungsstand hinsichtlich der Legitimationswirkung autoritärer Weltanschauungen in demokratischen wie autoritären Systemen nicht lückenhaft sei.

Christoph Busch (Universität Siegen) untersuchte in seinem Vortrag „Das Grün im Braun. Umweltschutz in den Parteiprogrammen der deutschen extremen Rechten“ die Bedeutung des Umweltthemas in den Parteiprogrammen der vier Parteien NPD, DVU, „Republikaner“ und „Pro NRW“ bzw. „Pro Köln“. Methodisch wurden die Programme inhaltsanalytisch untersucht, indem eine Triangulierung quantitativer und qualitativer Ansätze vorgenommen wurde. Frequenzanalytisch bestätigte sich die Annahme einer relativ intensiven Thematisierung in den NPD-Programmen, wobei allerdings die dahinterstehende und kaum camouflierte Ideologie (NS-Apologetik, „Heimat- und Lebensschutz“ in Verbindung mit mythischem Germanentum und völkischem Gedankengut) keinen Einfluss auf den öffentlichen Diskurs entfalten mag; im potentiellen Gegensatz zur Verknüpfung von kulturkämpferischer Islamfeindschaft mit Umwelt- wie Tierschutzgedanken, wie sie – allerdings sehr vereinzelt – in den Parteiprogrammen der „Pro-Bewegung“ vorzufinden ist.

Stephan Ortmann (FernUniversität in Hagen) evaluierte in seinem Vortrag „Environmental Governance under Authoritarian Rule: Singapore and China“ die Chancen und Begrenzungen autoritärer Regelungen im Umweltschutz anhand der beiden Beispiele Singapur und China. Dabei hob er hervor, dass die erfolgreiche Begrünungspolitik im kleinen Singapur einen Vorbildcharakter für umweltpolitische Initiativen in chinesischen Mega-Cities gewonnen hat, doch der erwünschte Erfolg wie auch die erwünschte übertragbarkeit auf das gesamte chinesische Territorium sowohl aufgrund der unterschiedlichen Größe der Staatsterritorien als auch wegen der Unterschiede in den autoritären Weltanschauungen und den damit einhergehenden Folgewirkungen keine ähnlichen Erfolge zeitigt.

Im Anschluss an die Tagung erfolgte die Sprecherwahl. Zu den Sprechern der Themengruppe wurden gewählt: Steffen Kailitz, Lazaros Miliopoulos und Rolf Frankenberger.

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