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STAND UND PERSPEKTIVEN POLITIKWISSENSCHAFTLICHER EXTREMISMUSFORSCHUNG

Die Themengruppe beschäftigte sich im Rahmen des DVPW-Kongresses IN MAINZ AM 25. SEPTEMBER 2003 mit dem Thema:

STAND UND PERSPEKTIVEN POLITIKWISSENSCHAFTLICHER EXTREMISMUSFORSCHUNG

Uwe Backes (Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung, Dresden) beleuchtete in seinem Referat "Entwicklung und Elemente des Extremismuskonzepts" einige weithin unbekannte, für die historisch-politische Relevanz des Extremismuskonzepts jedoch sehr bedeutsame Kapitel. Auf diese Weise bestimmte er Inhalt und methodologischen Status des Konzepts näher. Danach untersuchte er die heutige Position des Konzepts in der internationalen Forschungslandschaft. Den Abschluss bildete eine Erörterung der Frage, welche Forschungsperspektiven sich auf dieser Grundlage entwickeln lassen.

Kai Arzheimers (Johannes-Gutenberg-Universität Mainz) Thema waren "Ansätze und Ergebnisse der empirischen Erforschung extremistischer Einstellungen" (PDF). Im ersten Teil des Vortrags stellte er Gegenstand und Methoden der empirischen Extremismusforschung vor. Darauf folgte eine systematische Darstellung der gängigen theoretischen Ansätze. Der letzte Teil des Vortrages widmete sich den wichtigsten Befunden der empirischen Extremismusforschung zu folgenden drei Themen: 1. Entwicklung extremistischer Einstellungen in der alten Bundesrepublik; 2. Extremismus bei Jugendlichen seit der Wiedervereinigung; 3. extremistische Einstellungen und die Wahl der "Flügelparteien" seit 1990. Der Vortrag endete mit einem Ausblick auf Desiderata und Perspektiven der empirischen Extremismusforschung.

Steffen Kailitz (TU Chemnitz) widmete sich "Stand und Perspektiven politikwissenschaftlicher Extremismusforschung". Zunächst plädierte er dafür in der Extremismusforschung zwischen der Ebene der Ideen (demokratisch vs. extremistisch) und der Ebene der Mittel (legal, nicht-extrem vs. illegal, extrem) zu unterscheiden. Auf der Ebene der Ideen propagierte er eine Verfeinerung der Analyseinstrumente. Gemäß Kailitz kann eine Bewegung mehr oder weniger extremistisch sein. Eine Differenzierung in totalitäre, semitotalitäre, autoritäre, semidemokratische und demokratischen Ideen sei sinnvoll. Am Ende seines Vortrags kritisierte Kailitz einige Mängel der deutschen Extremismusforschung wie Provinzialismus und Aktualitätsfixiertheit und trat für breit angelegte internationale Vergleiche extremistische Phänomene und eine Verstärkung der Erforschung der Ursachen extremistischer Einstellungen wie des Einsatzes extremer Mittel ein.

Zu Sprechern des Arbeitskreises wurden gewählt: Dr. Steffen Kailitz und Dr. Kai Arzheimer

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